Protonen-Pumpen-Inhibitoren, auf deutsch: Säureblocker, verkauft als „Magenschutz“

Wenn es nicht so viele Patienten betreffen würde und kein so ernsthaftes Thema (Neben- und Langzeitwirkungen) wäre, müsste man bei dem Wort „Magenschutz“ fragen : heute schon gelacht?.

Um was geht es? Ein Patient hat Sodbrennen, spürt die Magensäure schmerzhaft bis zum Hals. Ihm wird gesagt „Ihre Magensäure fließt in die Speiseröhre zurück.“

Und nachdem der Patient lange genug Rennie oder basische Mineralsalze eingenommen hat, wird ihm ein Säureblocker als Magenschutz verordnet. Seit 2009 bis 20 mg sogar frei erhältlich.

Häufig genug wird Pantoprazol verordnet (2/3 Marktanteil), der Rest teilt sich auf ein Dutzend weiterer Mittel auf, steht in den Nebenwirkungen jedoch Pantoprazol nicht nach.

Was passiert? Der Magen produziert täglich etwa 3 l Magensaft. Die aufgenommene (selten genug vorgekaute) Nahrung wird durch Muskelbewegungen im Magen zerkleinert – sonst geht es einfach „nicht weiter“.

Der Magensaft hat bei einem Erwachsenen (bei Veganern und Vegetarier etwas höher) einen pH Wert zwischen 1,5 und 2,5 – ist also sehr, sehr sauer. Und die Aufgabe des Magensaftes (Salzsäure) besteht im Abtöten von mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien und der Aufschlüsselung (Denaturierung) von Nahrungseiweiß.

Wie die Salzsäure im Magen entsteht ist hochspannend, diesen Schlenker in die Biochemie ersparen wir Ihnen, erklären es jedoch bei Interesse gerne genau.

Es entsteht dabei unter anderem auch Bikarbonat (sehr basisch) das direkt in den Magenschleim fließt und so die Magenschleimhaut vor der eigenen Salzsäure schützt. Das ist der wahre Magenschutz!

Aber was ist nun mit dem Patienten, den Sodbrennen plagt? Sodbrennen wird selten, sehr selten durch ein Zuviel an Magensäure verursacht. Es sind andere, meist unbeachtete Sünden wie größere Mengen Nahrung zu hastig gegessen und deshalb auch nicht ausreichend vorgekaut – die versucht nun der Magen durch heftigere Bewegungen mit Magensäure zu durchdringen und zu verkleinern. Dadurch und einen aufgeblähten Darm wird das Zwerchfell nach oben gedrückt – es gibt tatsächlich einen Reflux und seien es nur saure Dämpfe.

Wann werden Säureblocker verordnet?

Bei Sodbrennen, bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren (bei wem entstehen denn die wohl am häufígsten? Bei gestressten Schnellessern.) Auch bei Helicobacter pylori, dann zusammen mit Antibiotika.

UND sie bringen schnelle, spürbare Verbesserung der Beschwerden. Unbestritten.

Wirken sehr gut – und können bei kurzfristigem Einsatz von maximal 4 Wochen in der Regel ohne weitere Nebenwirkungen abgesetzt werden.

Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Häufig werden Protonen-Pumpen-Hemmer aus gutem Grund eingesetzt, aber dann wird die Einnahme nicht mehr gestoppt und die Patienten bekommen Folgerezept nach Folgerezept.

Und es wird dann noch gesagt, bei Reflux (Rücklauf) bestehe die Gefahr von Speiseröhrenkrebs. Tatsache ist jedoch, nur 0,29% aller Refluxpatienten entwickeln ein Speiseröhrenkarzinom.

Was sind denn die Hauptrisiken der Säureblocker?

Da ist zunächst die Demenz. Nach einer großangelegten Studie der AOK erkrankten deutlich mehr hochbetagte Mitglieder an Demenz wenn sie davor Säureblocker auf dem Einnahmeplan hatten.

Es entsteht ein schleichender Mineralstoffmangel durch Säureblocker: Magnesium, Calcium und Zink werden erheblich vermindert aufgenommen – gerade wichtig weil viele Säureblocker Patienten ältere Menschen sind. (Und das, ob wohl mit zunehmendem Alter die Säureproduktion im Magen ohnehin nachlässt).

Kalium, Kupfer, Phosphate, Eisen sind in der Aufnahme vermindert.

Weiteres Risiko: viele Mundkeime, die mit dem Speichel in den Magen gelangen, werden normalerweise durch die Magensäure abgetötet. Bei Langzeiteinnahme von Säureblockern und damit dauernd erhöhtem pH Wert im Magen werden sie nicht abgetötet sondern gelangen in den Darm mit der Gefahr von Entzündungen. Es wird im Darm ein günstiges Milieu geschaffen für die Vermehrung von krankmachenden Keimen, auch solchen mit denen gar nicht zu spaßen ist.

Damit der Beitrag nicht zu lang wird vermeiden wir jetzt Begriffe wie den Rebound-Effekt und das Abhängigkeitspotential der Säureblocker.

Was tun? Weg von den Säureblockern?

Schon, aber keinesfalls abrupt. Nicht einfach absetzen!!

Das könnte eine Säureflut auslösen.

Ausschleichen über Wochen, über Monate – je nachdem wie lange Sie die Blocker schon eingenommen haben.

Wir erstellen Ihnen gerne einen Plan dafür.

Und vermeiden Sie Alkohol, Süßes, Frittiertes und Gebackenes, kohlensäurehaltigen Getränke, saure Obstsäfte, Chips und ähnliches.

Wenn Sie das durchziehen und mit uns im Gespräch über Ihre Lebensführung bleiben, dann haben Sie bei Übergewicht (was häufig zu Sodbrennen führt) einen tollen Nebeneffekt: Ihre Waage zeigt Ihnen deutlich gesündere Werte an.

Wir haben einen Plan für Sie – fragen Sie uns einfach.

 

 

 

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